HATTLER: The Kite (2013)


The Kite • Wider • Sliding in Slomo • Ballhaus Rubeau • C64 • Fine Days • Nirvana Club • Patient (Like The Water) • Moola Bulla Jive • Tag 2 • VibeControl • The Kite Returns • Naïvety Suite [bonus track]First Flush [iTunes bonus track]

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Drei Jahre durfte es in aller Ruhe wachsen – nun schwingt es sich in die Lüfte: Am 2. August veröffentlicht Hellmut Hattler sein siebtes HATTLER-Album The Kite. 12 Titel, die vollkommen entspannt zwischen programmierten Beats, melodieverliebtem Bass und urbanen Sounds oszillieren.

Es ist ja nicht so, dass sich Hellmut Hattler in den letzten Jahren gelangweilt hätte: Der Bassist spielt mit seinen Bands KRAAN, SIYOU’n’HELL und als Dauergast bei der DEEP DIVE CORP., er erfreut sich einer umfangreichen Familie, dazu kam 2012 die temporäre TAB TWO-Reunion. Aber neben all diesen Verpflichtungen steht doch sein Baby HATTLER im Mittelpunkt seines musikalischen Schaffens, bereits seit dem Jahr 2000 ist dieses Projekt seine allerpersönlichste Spielwiese: Zusammen mit musikalisch gleichgesinnten Freigeistern wie Peter Musebrink, Fola Dada, Oli Rubow und Torsten de Winkel entstanden sechs international erfolgreiche Alben, in denen er gezielt an der Auflösung von Grenzen arbeitete – der Grenze zwischen Zeitlosigkeit und Hipness, zwischen analog und digital, zwischen Bassgroove und Melodiebogen.

Genau da macht auch das neue HATTLER-Album The Kite weiter. Und fügt noch etwas hinzu: nämlich eine schwerelose Entspannheit, die in tiefen Wurzeln ruht. »Diese Platte fühlt sich für mich an wie ein Freispiel«, bestätigt Hellmut Hattler den Höreindruck. Nach über 40 erfolgreichen Jahren im Musikgeschäft muss er niemandem mehr etwas beweisen. »Ich habe alles weggelassen, was irgendwie drüber ist, ich brauche kein Imponiergehabe mehr«, sagt er.

Drei Jahre hat er sich Zeit gelassen für die Produktion, die Songs sind nach und nach entstanden. Drei der Tracks entstammen in ihrer Ursprungsversion einer Auftragsarbeit für DRadio Wissen. Fast alle anderen Songs sind in Zusammenarbeit mit seinem DEEP DIVE CORP.-Partner Peter Musebrink entstanden: »Wir saßen tagelang zusammen in meinem Haus an einem riesigen Tisch, er mit seinen Beats, ich mit dem Bass, und haben zunächst die elektronischen Basis-Takes entwickelt«, schildert Hattler den Entstehungsprozess. »Von diesen Grundgerüsten ausgehend bin ich danach auf Sachen gekommen, auf die ich wohl nie allein gekommen wäre – das ist genau das, was mich interessiert und daraus entstand jetzt etwas sehr Spannendes.«

Losgelöst von festen Vorstellungen wuchsen die Songs so ganz organisch – jeder in seine Richtung: Instrumentale Stücke wie Wider atmen Beats, Basslines und hingetupfte Ambient-Klänge; auf vier Songs zaubert Joo Kraus mit seiner Trompete fast zärtliche Melodien über den synthetischen Groove. Und dann gibt es vokale Nummern wie den Titelsong The Kite oder Fine Days, deren Hooklines wie von selbst ins Ohr schweben, getragen von Fola Dadas warmer Altstimme – hier kommt Hattler dem perfekten Popsong so nah wie nie zuvor.

Eines haben alle Songs auf The Kite gemeinsam: Der Bass hat sich von seiner urspünglichen Begrenzung als Rhythmusgeber gelöst. Hattler lässt das Instrument von der Leine und gibt ihm Melodien zu spielen, die die tiefe Stimmlage des Basses reizvoll konterkarieren. Der Drachen fliegt – frei und doch erdverbunden.

Text: Diana Dehner

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The Kite Tour 2013

19.09.13 Frei­burg, Jazz­haus
21.09.13 Dres­den, Drum & Bass Fes­ti­val, Work­shop: Hell­mut Hatt­ler & Oli Ru­bow [17h]
21.09.13 Dres­den, Drum & Bass Fes­ti­val
24.09.13 Wup­per­tal, Bör­se
25.09.13 Neuss, Ham­tor­krug
26.09.13 Bonn, Har­mo­nie
27.09.13 Bo­lan­den, Blau­es Haus
28.09.13 Of­fen­bach, Sand­gas­se
01.10.13 Ulm, Ro­xy
02.10.13 Stutt­gart, Bix
05.10.13 Glems, Hirsch
17.10.13 Wetz­lar, Fran­zis (drums: J. Schlach­ter)
18.10.13 Id­stein, Scheu­er (drums: J. Schlach­ter)
19.10.13 Es­sen, Grend (drums: J. Schlach­ter)
31.10.13 Kas­sel, Schlacht­hof
01.11.13 Ham­burg, Lo­la
06.11.13 Aa­len, Jazzfest: Hell­mut Hatt­ler & Oli Ru­bow – Bass Cuts
07.11.13 In­gol­stadt, Jazz­ta­ge
06.12.13 Ess­ling­en, Die­sel­stras­se

Reviews

Hellmut Hattler liebt gute Grooves, schräge Sounds, coole Arrangements – dabei haben seine chilligen Songs und Instrumentals immer etwas Warmes, Vertrautes. Und trotzdem sind Hattler (b), Fola Dada (voc), Peter Musebrink (programming), Joo Kraus (tp) und Kollegen immer Lichtjahre entfernt von den Banalitäten des Genres, mit a bisserl Ethno hier, einer Weichspüler-Hook da und einer Soulstimme in der Mitte. Hattler beherrscht das Kunststück, selbst klar programmierte Strukturen mit musikmenschlicher Interaktion zu überbauen, ja zu überwuchern und so lebendig und organisch werden zu lassen. Dafür brauchen er und seine Musiker keine hypervirtuosen Soli – nein, hier wird immer nah am Groove gebaut oder spielerisch in Atmosphären investiert. Ganz großer Electro-Jazz-Soul-Pop.
Lothar Trampert, Gitarre & Bass Magazin, 8/2013

Hattler, der sich als einen »Hybrid im Musikbusiness« bezeichnet, findet das Bild des Drachens sehr passend. »Man verändert ständig den Betrachtungsstandpunkt und bleibt dennoch geerdet. Das zieht sich durch mein Leben.« Für Erdung sorgt in den meisten Stücken der stets präsente Bass, den Hattler auch singen, die Melodieführung übernehmen lässt. Und wenn Trompeter Joo Kraus in Instrumentals und Songs wie dem grandiosen The Patient mit reduziertem Spiel und großem Ton Akzente setzt, ist das auch für Hattler ein Wow-Gefühl, »wie Nachhause kommen«.
Udo Eberl, Südwest Presse, 2.8.2013

The Kite, das ist intelligente zeitgenössische Popmusik, die, wie das namensgebende Kite-Segel, abheben lässt. Und das gilt auch für die sieben Instrumentaltitel des Albums. Ob Instrumental oder Song, alle Titel des neuen Albums haben wieder diese Hattler-typische Gleichzeitigkeit von Leidenschaft und Coolness, Lässigkeit und musikantischer Brillanz, Tiefen-Entspannung und anknipsender Spannung, soundtechnischer Moderne und altvertrauter kompositorischer Hattler-Tradition.
Volker Rebell, ByteFM Kramladen, 1.8.2013

Von wegen Rhythmusknecht! Hellmut Hattler ist als Musiker von Kraan, Siyou’n’Hell und Tab Two nie der Basser im Hintergrund, der genügsam die Tieftonbasis für Solisten legt. Beim Soloprojekt rückt er seinen Viersaiter gar noch weiter nach vorne, man höre nur mal seine prägnanten Hooks auf dem rundum geglückten siebten Longplayer! Wie es schon gute Tradition ist, ergänzt der Bassbefreier sein klasse Spiel auch hier um tanzbare Clubbeats, Fola Dadas soulige Altstimme sowie die einsam ihre Kreise ziehende Jazztrompete von Joo Kraus – und fertig ist der urbane Sound für Nachtschwärmer.
Stereo Magazin, 9/2013

…chromatischer Gänsehautgesang von Sängerin Fola Dada im harmonischen Moll, dessen dissonanter Tritonus in der Barockmusik zum Ausdruck von Leiden und Tod verwendet wurde. Hattlers Bass schnarrt mechanisch im Hintergrund…
Michael Seefelder, Neu-Ulmer Zeitung, 22.8.2013

Zaskoczeniem jest powrót trąbki Joo Krausa, partnera Hattlera z Tab Two. Kiedy słyszę tak charakterystyczne brzmienie tego dęciaka i żeńskie wokale Foli Dada, a nawet quasi-raperski duet Hattlera i Krausa, naprawdę trudno opędzić mi się od skojarzeń z Between Us wspomnianego duetu. Czyżby więc Tab Two wracali pod osłoną solowego projektu basisty? Niekoniecznie, to raczej duch acidjazzowej legendy odbija się tu szerokim echem – ale i tak jest przyjemnie.
Kaśka Paluch, 80bpm.net, 18.11.2013

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