11. Konzert: Isny, Theaterfestival

TAB TWO in Isny 2012. By Babette Caesar.

Ein Abschied? – Von wegen!
Das Tab Two-Konzert gipfelt in einem berauschenden Live-Act

Wie sich die Herren Hellmut Hattler und Joo Kraus weiterentwickelt haben, das konnten die Zuschauer am Donnerstagabend im Zelt des Theaterfestivals Isny in einem berauschenden Live-Act miterleben. Ihr Tab Two-Auftritt glich mehr einem aufgehenden Stern als einem traurigen Abschied, denn Bassgitarrist Hattler zeigte sich lockerer denn je, und Trompeter Kraus beseelte mit seinen einzigartigen Melodiebögen. Vermutlich klang es so derart entspannt, weil die Tournee auf zwölf Stationen beschränkt ist und sie danach (vermutlich) wieder getrennte Wege gehen.

Einen besonderen Abend versprach Organisationschef Toni Drescher den Zuschauern, gab das begnadete Duo doch vor 15 Jahren auf dem Theaterfestival, damals noch am Waldbad, ein tolles Konzert. Recht behielt er, denn trotz aller Verschiedenartigkeiten zwischen Kraus und Hattler, angefangen bei den Instrumenten bis hin zum (wohl) Menschlichen, ist man ihrem Sound aus Acid Jazz, vermengt mit Hip Hop und Trip Hop, Salsa und Drum’n’Bass fast erlegen. Hip Jazz nennen sie diesen Lounge-Style.

Wir sind keine Mitmachband und auch keine richtige Jazzband, klärte Kraus vom Bühnenrand aus auf, und genau das ist Tab Two – ein eigenes, unverkennbares Gewächs, das sich Ende der 1980er Jahre beim Flippern über den Weg lief, bis 1999 acht Alben herausbrachte und als das erfolgreichste Duo des deutschen Jazz weltweit tourte. In Isny präsentierten sie Ausschnitte aus ihrer 2012 erschienenen Triple-CD Two Thumbs Up, die eine Reihe von remasterten Songs, darunter No Flagman Ahead und Belle Affaire, ebenso wie bislang unveröffentlichte Tracks enthält. Eines dieser neu aufgenommenen Stücke ist The Patient, das sie als lang erklatschte Zugabe spielten.

Hattlers einstige Bedenken, dass Kraus’ Trompete zum Handicap werden könnte, glaubt ihm längst keiner mehr. Es ist eher umgekehrt, dass die erwarteten Feindbilder bestens zusammengehen. Alles vom Band, scherzte Hattler in Richtung tanzendem Publikum, vor dem Hintergrund des computergesteuerten Equipments, das mittels Fußtasten eine virtuelle Band aus Drums und Piano samt Lichtshow in Bewegung setzte. Um des Kontrasts willens improvisierten sie ein Stück ohne Maschine einzig aus dem Zauberwort Zzzipp in rappender Wortakrobatik. Wenn es Hattler messerscharf ins Mikrofon faucht und Kraus ihn trompetend umgarnt, wenn der mittlerweile 60-jährige, nimmermüde wirkende Hattler seine Kniebeuge macht und Kraus kurzerhand das Mundstück seiner Wasserflasche vokalakustisch ausreizt, sind das nicht nur zwei Musiker, die ihr Ding machen.

Ausgelassen getanzt wurde an diesem Abend, während einige selbstversunken am Bühnenrand standen und staunten, als Kraus in strahlenkranzblau strahlendes Scheinwerferlicht getaucht ein fugenhaft verjazztes Bachsches Solo unter den Zelthimmel blies. Mit einem Let It Flow entspannte sich dieser ekstatisch-aufgeladene Höhenflug, groovte tief luftholend dahin und hielt das kleine Flämmchen am Glühen, ob das wirklich der Abschied war.

Text: Babette Caesar, Schwäbische Zeitung (mit freundlicher Genehmigung).


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