10. Konzert: Blaubeuren, Blautopf

TAB TWO in Blaubeuren 2012. Panorama: Josh von Staudach.
Interaktives 360° Panorama von Josh von Staudach.

Konzertbericht
von Sven Martin

Blaubeuren, der Blautopf. Mythen und Legenden ranken sich um diesen Ort. Lebende Legenden, Musiklegenden, bereiteten dort am Samstag ein Vergnügen der besonderen Art. Die Rede ist von Deutschlands wahrscheinlich innovativstem Jazz-Duo: TAB TWO. Der Bassist Hellmut Hattler steht seit über 40 Jahren auf der Bühne (es ist kaum zu glauben). Und Trompeter Joo Kraus hat dieses Jahr den ECHO Jazz verliehen bekommen.

TAB TWO befinden sich momentan sowohl auf einer Reunion- als auch Verabschie­dungs-Tour, was gleichermaßen zur Freude und Verzweiflung gereicht. Freude, weil es richtig gute Musik zu hören gibt. Verzweiflung, weil nur noch zwei Konzerte gespielt werden sollen. Wer nun bei diesem Open-Air-Konzert das Vergnügen hatte, diesen beiden Ausnahmetalenten bei der Verrichtung ihrer Kunst beiwohnen zu dürfen, kann selbiges kaum glauben. So groß die Spielfreude, das blinde Verständnis – selbst nach dreizehn Jahren Pause. Nicht mal ein kurzer Regenschauer konnte die Freude der anwesenden 630 Gäste trüben, oder TAB TWO in Verlegenheit bringen. Das dynamische Duo lud das Publikum kurzerhand zu sich auf die Bühne ein: Passt auf mit den Kabeln – und weiter ging es. Selten dürfte man bei einem Konzert näher dran gewesen sein.

Medley with 15 of 35 tracks

TAB TWO in Blaubeuren 2012. Panorama: Josh von Staudach.
Interaktives 360° Panorama von Josh von Staudach.

Watchagonnado, No Flagman Ahead, Belle Affaire, um nur drei Titel zu nennen wofür TAB TWO stehen: Treibender, groovender Bass, begleitet von einer teilweise melancholischen, und sekundenbruchteile später rasiermesserscharf gespielten Trompete. Dazu die einmalige(n) Stimme(n). Mit dieser Art Jazz zu spielen waren TAB TWO ihrer Zeit weit voraus und überforderten anfangs viele Kritiker. Erst als Miles Davis 1991 mit Doo-Bop ein ähnlich gelagertes Werk ablieferte, war es auf einmal en vogue – nur, daß eben TAB TWO früher dran waren.

Ja, ein unvergesslicher Abend am Blautopf. Vielleicht wird man sich in hundert Jahren die Legende von TAB TWO erzählen, die eigentlich auf einer Verabschiedungstour waren, aber dann doch erkannten, daß die musikalische Landschaft genau solche Farbtupfer braucht – und weitermachten. Der Verfasser dieser Zeilen hofft, wie alle TAB TWO-Fans, auf einen Rücktritt vom Rücktritt. Und an alle, die die Möglichkeit haben eines der noch ausstehenden Konzerte zu besuchen: Hingehen, tanzen, freuen! Und die eine oder andere Träne verdrücken, sollte es das denn wirklich gewesen sein. Danke, daß ich dabei sein durfte. – Sven Martin

TAB TWO in Blaubeuren 2012. Panorama: Josh von Staudach.
360° Panorama von Josh von Staudach.

Als kurz vor 22 Uhr mozartkugelgroße Regentropfen vom Himmel klatschten, flüchteten fast alle Zuschauer von der Tribüne und wurden von den Musikern eingeladen, auf die Bühne zu kommen. Während der Aufnahme des Panoramas spielte Trompeter Joo Kraus sein Solo und Bassist Hellmut Hattler kniete nieder vor Freude. – Josh

Fotos
von Anna Wagner

TAB TWO in Blaubeuren 2012. Photo: Anna Wagner.
TAB TWO in Blaubeuren 2012. Photo: Anna Wagner.

TAB TWO in Blaubeuren 2012. Photo: Anna Wagner.
TAB TWO in Blaubeuren 2012. Photo: Anna Wagner.

TAB TWO in Blaubeuren 2012. Photo: Anna Wagner.

Happening beim Wolkenbruch
Konzertkritik von Roland Mayer, Augsburger Allgemeine

[...] Da passiert nach einer Stunde Hip Jazz vom Feinsten etwas ziemlich Einmaliges, das an Zeiten erinnert, wo das Happening noch hoch im Kurs stand: Ein Gewitterregen entlädt sich über der nicht überdachten, mit 500 Zuschauern voll besetzten Freilichtbühne am Blautopf. Trompeter Joo Kraus bespricht sich kurz mit Bassminister Hellmut Hattler: Wir machen’s. Und so dürfen die Fans die schützende Bühne entern, zwischen Monitor und Kabel in die Sitzhocke gehen und nach kurzer Unterbrechung hautnah der Fortsetzung des Konzerts lauschen.

No Flagman Ahead schlägt so in prickelnder Atmosphäre allen Wolkenbrüchen ein Schnippchen. Ein lang gezogenes, tief versunkenes Regensolo des Trompeters folgt. Ein paar Meter weiter entspannt sich Hattler auf dem Bühnenboden, lauscht den sphärischen Trompetentönen nach, genießt ganz offensichtlich die hypnotischen Überraschungsperspektiven des Blaubeurer Gigs. Manche Fans wiegen sich am Bühnenrand im versunkenen Rhythmus der Tongirlanden. Doch niemand verheddert sich, die Kabel bleiben eingestöpselt. Und als der Regen nachlässt, wollen die Fans eigentlich gar nicht mehr von der Bühne runter. No Rain hieß es in Woodstock, Yes Rain der späte Konter in Blaubeuren. [...]

TAB TWO in Blaubeuren 2012. Photo: André Heinze.Foto: André Heinze.

  • André

    Phänomenales Konzert, auch mit Regen, mit auf der Bühne stehend! Man hat gesehen, euch hat es Spass gemacht, und mir erst. Habe mich 13 und mehr Jahre zurückgesetzt gefühlt. Es war Super! Danke!!!!! Hoffe, dass Ihr weiter zusammenspielt! ;-) Also ich möchte noch mehr Konzerte und vielleicht auch neue CDs! ;-) Noch mal Danke!

  • http://chrismarquardt.com Chris Marquardt

    Jungs, da fehlt doch tatsächlich noch das akustische Album… was ihr auf http://www.youtube.com/watch?v=fPkXudoF0S8 abgeliefert habt, greift in seiner rohen Kraft ganz tief bei mir an und lässt nicht mehr los.

    … und ich melde mich freiwillig für den zugehörigen Videodreh.

  • http://none CCR

    04.08.2012 Sommerbühne am Blautopf
    @TabTwo: Es gibt Menschen, die machen durch ihr Dasein diese Welt zu etwas Besonderem, und Ihr gehört genau dahin. Ihr habt uns am Samstag eingeladen, so nah wie möglich an Euch und Eurer Musik zu sein und da fühlt man sich von Euch so verdammt reich beschenkt, wie wenn es den ganzen Abend durch Geschenke regnete. Und als nach Eurem Konzert alle weg waren, so nach ein Uhr die letzten Typen Eurer Abbau-Crew auch endlich verschwunden sind, habe ich mich in die oberste Zuschauerreihe gesetzt und auf die Bühne geschaut .. zwei fantastische Musiker, die ihre geniale Musik spielen und die was absolut Besonderes sind und Bleibendes geschaffen haben.
    Es fing dann aber schon wieder an zu regnen und ich höre nur noch: `Passt halt auf die Kabel auf.´ Naja, ich bin dann oben bei den Technikern untergekommen und habe auf die Kabel aufgepasst .. :-) und ich habe mich von Euch erst verabschieden können, als es hell wurde.
    Ich danke Euch so riesig für zwei Konzerte, die ich miterleben durfte (Bad Dürkheim und Blautopf).
    C.

    > Und außerdem: mir ist bei Eurer Reunion- und Abschiedstour aufgefallen, dass Ihr Euch gar nicht von allen Euren Fans verabschiedet habt. Ihr wart nur in 12 verschiedenen Städten. Ich finde das nicht ok und in meiner Heimatstadt wart Ihr noch nicht!! Dieses Jahr wird das wohl nix mehr und wenn Ihr dann nächstes Jahr im Sommer kommt, empfehle ich Euch als Location den Platz vor der Orangerie. Wir haben hier zwar auch das Kulturzelt in jedem Sommer, aber ich finde Open-Air besser für Euch.
    Hier ist eine Nahaufnahme der Orangerie in Kassel:

    http://www.panoramio.com/photo/301497

    Ja oder ja?

  • http://flavors.me/glorian friedrich glorian

    hiho hellmut und joo,
    ich war nicht beim blautopfgig. superstimmung aber mit dem werten publikum auf der bühne. das muss sich übercool anfühlen, für beide seiten. oder einfach schmelztiegel? bin be-geist-erd…

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