6. Konzert: Ulm, Ulmer Zelt

TAB TWO in Ulm, Ulmer Zelt 2012. Photo by Alexander Kaya.Foto: Alexander Kaya, Augsburger Allgemeine, 24.5.2012.

Danke liebe Ulmer und nicht Ulmer für ein schönes Fest gestern Abend! And thanks to the guys from England, Poland, and Bosnia for coming!!! — Joo

Bericht über Joo Kraus: ECHO Jazz 2012; TAB TWO im Ulmer Zelt (SWR Landesschau BW, 24.5.2012).

Hellmut:

Unabhängig davon, dass ich vor diesem ersten TAB TWO Konzert in Ulm seit gefühlten 13 Lichtjahren tatsächlich aufgeregt war, hat doch alles was mir am Herzen lag gut geklappt: Duo-Konstellation und die Stücke funktionieren auch heute noch supergut (und ganz offensichtlich nicht nur für diejenigen, die sich eine Wiederhörensdosis legendärer Zeiten abholen wollten, sondern auch für die Neugierigen, die die Band aus früheren Tagen überhaupt nicht kannten) und die ganzen Freunde und Fans, die am dereinst harten und schmerzlichen Trennungsschnitt mitgelitten hatten waren durchweg berührt, dass wir den gemeinsamen Schritt auf die Bühne gewagt haben und damit ein kleines, versöhnliches Signal gesetzt haben, was respektvollen Umgang miteinander betrifft. Und wenn all das dann auch noch allen Spaß macht, ist doch das Glück perfekt. Ich freu mich auf jeden Fall schon auf den nächsten Gig…

Live in Ulm 2012! (Medley of the …zzzipp! extended bonus CD)


Und es hat wieder Zzzipp! gemacht

Text: Helmut Pusch (mit freundlicher Genehmigung). Südwest Presse, 25.5.2012.

Zwölf Jahre gingen sie getrennte Wege, jetzt zeigten Joo Kraus und Hellmut Hattler im Ulmer Zelt, was sie als Duo so erfolgreich gemacht hat.

Ihr müsst aufpassen, die Pause ist ziemlich kurz. Joo Kraus dirigiert, und aus 1200 Kehlen kommt das Zzzipp!, mit dem die Fans bei den Konzerten von Tab Two die Pausen in der Instrumental-Hatz Dinner For Two füllten – und es jetzt wieder tun. Nach zwölf Jahren Pause geben Trompeter Joo Kraus und Bassist Hellmut Hattler wieder gemeinsam Konzerte. Jetzt haben sie die 26. Spielzeit des Ulmer Zelts vor 1200 Fans eröffnet. Ausverkauft.

Die Ulmer Konzerte von Tab Two waren schon immer etwas Besonderes. Hattler und Kraus wurden von den Fans immer als musikalische Heimmannschaft gefeiert, die auch auswärts mindestens auf Bundesliga-Niveau glänzte. Um so tiefer traf die Nachricht, als das Duo Ende der 90er Jahre zerbrach, die Musiker über Jahre hinweg kein Wort mehr miteinander wechselten. Im Herbst 2011 dann die Sensation: die Reunion auf Zeit, für zehn Konzerte.

Tab Two 2012? Das ist die bewährte Mischung aus Maschinen-Grooves und zwei Musikern, die das Kunststück schaffen, den Loops aus dem Computer den Maschinentakt zu nehmen, ihnen via eigene Virtuosität eine Portion Menschlichkeit einzuhauchen, die vergessen lässt, dass da eigentlich keine komplette Band auf der Bühne steht. Die beiden meistern den Spagat zwischen musikalischem Anspruch und Eingängigkeit. Und: Kraus und Hattler haben beide einen unverkennbaren Ton.

Dennoch: Tab Two heute ist ein anderes Duo als in den 90ern, als das junge Trompetentalent Kraus mit dem deutschen Bassminister auf Tournee war. Da stehen heute zwei gleichberechtigte Musiker auf der Bühne, denen das, was sie tun, großen Spaß macht, auch wenn es schon ein komisches Gefühl ist, nach so vielen Jahren wieder zusammen auf einer Ulmer Bühne zu stehen, wie Kraus sagt, der am 3. Juni den Jazz-Echo erhält. Fürs Publikum, das sich sechs Zugaben erklatschte, wars ein tolles Gefühl. Und wer den Abend verpasst hat: Am 4. August spielt Tab Two auf der Sommerbühne am Blautopf.

Helmut Pusch, Südwest Presse 25.5.2012 (Verwendung mit freundlicher Genehmigung)

Hits wie Sad News, No Flagman Ahead oder Let It Flow sind immer noch geniale Produkte aus der Mix- und Live-Küche zweier Supervirtuosen. […] Dinner For Two als superschnelle Zungenakrobatik – echt Zzzipp! fürs Publikum. | Roland Mayer, Augsburger Allgemeine 25.5.2012

TAB TWO in Ulm, Ulmer Zelt 2012. Photo by Udo Eberl.

TAB TWO Today

Text/Fotos: Udo Eberl.
Udo ist ein Ulmer Kulturmacher und Journalist – und ein alter Freund von TT. Hier seine Eindrücke vom Konzert im Ulmer Zelt 2012.

Es gibt immer wieder Momente im Leben, die möchte man umkreisen, umgehen oder lieber ganz auslassen, da man nicht weiß, ob sie den Teil einer Vergangenheit zurückholen, der lieber genau dort geblieben wäre. Okay, ein Konzert ist kein elementarer Eingriff, in den meisten Fällen vom emotionalen Ausnahmezustand sehr weit entfernt – leider –, doch genau diesen befürchtete ich für mich vom Wiederhören und -sehen mit Tab Two nach all den Jahren. Da ist die gemeinsame Zeit, das Miterleben des jähen und vielleicht doch nicht so überraschenden Endes eines so ungleichen und erfolgreichen Duos. Nun das skeptische Beobachten der zunächst befristeten Wiederkehr. Braucht’s das? Wird das ein Konzert oder doch nur eine von Beatmaschinen getragene therapeutische Maßnahme? Muss immer, was will und kann?

All die Fragen erübrigen sich bereits nach den ersten Takten. Es klingt nach guten, alten Zeiten, dabei aber nicht wie Oldies but Goodies. Schnell wird klar: Die Ulmer waren in der starken Phase ihres Schaffens musikalisch auf der Höhe der Zeit, mit vertrackt-verzwickter Rhythmik und trockenem Bassdruck. Hip Jazz, Tripdub, BossaFusion – alles drin und heute noch mitreißend, auch wenn so manche synthetische Fläche aus dem DAT-Lager ein wenig antiquiert klingt. Man stelle sich vor, Tab Two würden nicht nur eine auf zwölf Konzerte begrenzte Tour machen. Sondern über eine neu definierte Liaison nachdenken und das musikalische Design ihres Backkatalogs noch intensiver auf Stand bringen.

TAB TWO in Ulm, Ulmer Zelt 2012. Photo by Udo Eberl.


Ohne Frage, der Erfolg wäre den beiden sicher, zumal The Patient, der bisher einzig neue Song des Programms, im Finale des Konzerts verdeutlicht: Sie haben noch etwas zu sagen. Und wie: Dieser Patient kommt direkt aus der Kur. Die Depression hat er hinter sich gelassen. Nun schlendert er mit einem sanften, leicht melancholischen Lächeln im Gesicht tiefenentspannt souljazzig dem Sonnenuntergang entgegen, um dann doch in der Mitte des Songs ein euphorisches Rad zu schlagen. Dieser Patient will sein in dunkle Pastelltöne gefärbtes Gemüt nicht verstecken, aber er weiß, der Optimismus hat ihn wieder.

Tab Two, das ist bekannt, haben den Groove, begeistern mit stilsicherer Rasanz. Und so mancher Unisono-Ritt auf dem Grat zwischen Fusion und weit geöffnetem Pop, in den bisweilen noch der letzte Nachhall der verkraanten Krautrock-Ära mit einfließt, ist von der Waghalsigkeit der Könner geprägt. Tanzbar und hüftwärts funktioniert das ganz wunderbar, doch auch der Kopf der Hörer ist ob der vorbeifliegenden Inhaltsstoffe gefordert. Die ganz große Stärke des Duos liegt allerdings in den Balladen. In No Way No War [Video 1999] fließt ineinander, was letztendlich wohl doch zusammengehört und zwar in berührender Melancholie. Hattlers zumindest für die Musik geltende Harmoniesucht und die Trompetenlinien des Melodiekurvenformers und Sprechsängers Joo Kraus werden zum großen Ganzen und zu ganz Großem. Man stelle sich nur vor, dass die erneute und gereifte Symbiose, ganz ohne Klammern und Zwänge, noch ein paar mehr solche Stücke bereithalten würde. Wow.

Dass der Ton die Musik macht, ist ja ein mehr als alter Hut. Wie sehr allerdings Tab Two von der vor Jahren radikal veränderten Spieltechnik des ECHO-Gewinners 2012 profitieren, ist unüberhörbar. Samtweich, voll und gereift der Ton von Joo Kraus – man denkt an große Jahrgänge roten Weins. Und da ist Hattler, der kantig und scharf grundierende Virtuose unter den Dicksaitern, der jetzt nicht mehr den profilierungswütigen Dauersolisten geben muss. Einer, der dem Instrument seinen ganz eigenen Sound verpasst hat, sich dessen bewusst ist und nun entsprechend souverän mit dem Plektrum agiert. Unique. Duique.

TAB TWO in Ulm, Ulmer Zelt 2012. Photo by Udo Eberl.

Auf der Bühne immer zu Späßen aufgelegt, überlässt der Bassminister in der Neuzeit Joo Kraus jede Menge Raum und meist den Vortritt. Der ist smarter Conférencier oder Zzzipp!-Einforderer, der das Publikum mit seinem unaufdringlichen, fast gehauchten Charme einnimmt – ein Charme, der unter anderem auch Fundament der eigenen Karriere ist. Wenn er zusätzlich zum Horn auch noch die Keys bedient oder die Gitarre umhängt, wird das Bild nur noch komplettiert. Tab Two Today – die Musik ganz vorne. Zwei Entertainer und Könner auf Augenhöhe.

Meet & Greet at Ulmer Zelt 2012: Udo Eberl & Hellmut Hattler.

Nein, Joo Kraus wird am Ende des Konzerts nicht mehr vom schelmisch grinsenden Hattler auf Händen getragen. Dies geschah bereits zuvor über zwei Stunden hinweg. Vergangenheit ade. Her mit dem frischen Wind. Nichts da mit Retro. Und doch hofft man, Tab Two 2012 möge nur ein Zwischenspurt vor neuen Großtaten sein. Ein Das war einmal will man nicht akzeptieren, ein Yesterday vielleicht gerade einmal als Coverversion. Tab Two, wir brauchen Euch – früher oder später. — Udo Eberl

TWO THUMBS UP coverart


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Live at the Roxy coverart


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TAB TWO sweatshirt.


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3 comments

  1. birgit kraft

    Ein unvergesslicher Abend mit faszinierenden Musikern. Eine besondere Verbindung, zueinander, zur Musik und zum Puplikum war mit jedem Ton spürbar!
    Birgit

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