Offener Brief an den KulturSPIEGEL

TAB TWO are not amused

Liebe Redaktion vom KulturSPIEGEL,

wie Sie wissen, erscheint am 27.4.12 unser neues Album Two Thumbs Up. Der SPIEGEL hat frühzeitig ein Rezensionsexemplar erhalten, nämlich Promo-CD Nr. 71. Zu unserem größten Erstaunen mussten wir am 13.2.12 feststellen, dass eine dieser unverkäuflichen CDs beim britischen Ableger von Amazon zum Kauf angeboten wurde – zweieinhalb Monate vor dem Veröffentlichungstermin! Mehr als genug Zeit, um massiven finanziellen Schaden anrichten zu können.

Der Anbieter, ein Händler mit Secondhandladen in Hamburg, erklärte in einem Telefonat, dass er die CD eindeutig aus Ihrem Hause erhalten hätte. Das ist ein üblicher Vorgang. Es werden kistenweise CDs, DVDs und Bücher beim SPIEGEL abgeholt. Man muss schon Verständnis haben, wenn schlecht bezahlte Redakteure sich mit Promo-Material etwas dazuverdienen.

Bei Ihrem Anruf bei uns am 23.2.12 haben Sie versucht, das Problem weit von sich zu wulffen. Schade, wenn man bedenkt, welche Moralinstanz der SPIEGEL für sich in Anspruch nimmt, wenn es um die Verfehlungen Anderer geht. Seitdem haben wir auch nichts mehr vom SPIEGEL gehört. Das Thema ist jedoch nicht einfach aus der Welt. Daher wünschen wir uns:

► AUFKLÄRUNG: Was war da los? Und handelt es sich hier um die branchenübliche Vorgehensweise?
► ENTSCHULDIGUNG: Wir sind da ganz Ohr.
► REZENSION: Über eine Besprechung um den Veröffentlichungstermin herum würden wir uns nach wie vor freuen.

Let It Flow!
Joo Kraus & Hellmut Hattler (TAB TWO)
Jürgen Schlachter (36music)

Foto: Lena Semmelroggen.
Diskussion bei Facebook
Vorangegangene Diskussion in den Medien und bei Facebook

3 comments

  1. Naja, anonym zur Sicherheit?

    Hallo Ihr!

    Aus meiner Zeit in mehreren Verlagshäusern der Gamesbranche kann ich zumindest sagen, dass Redakteure so ziemlich alles was rumlag selbst eingesteckt haben. Retail Versionen dann zu verkaufen, das habe ich auch gesehen. Aber Vorabversionen war zumindest in der Gamesbranche nicht drin und dank Fingerprints auch meist unmöglich. Dass man das Spiel aber “für den Privatgebrauch” kopiert hat, das schon. Und hiermit meine ich zumindest auch wirklich den Privatgebrauch – also der oder mehrere Redakteure selbst. Kein Verkauf. Unterschreiben würde ich aber sofort, dass Redakteure ihre Position zur eigenen Bereicherung ausnutzen. Bei uns Gamern war das aber auch nicht zwingend ein Makel, da wir ja nicht für Recht und Ordnung eingetreten sind.

    Also noch einmal: JA, alles wurde untereinander verteilt und genutzt – NEIN, keine Vorabversionen bei uns. Retail sehr wohl. Aus weit über 10 Jahren Erfahrung würde ich das spontan – so wie ich es beschrieben habe – als Standard bezeichnen. Soll heißen: Eure Sorgen sind mehr berechtigt als unberechtigt.

  2. Lennart

    Moin,

    stellt sich natürlich die Frage, wie das rechtlich aussieht.
    Aber als Aussenstehender würde ich denken: Pech gehabt.
    Wer billig an Promo kommen will, muss das Risiko wohl in Kauf nehmen.
    Oder eben nichts vorab verschenken.
    (Das sieht natürlich anders aus, wenn irgendeine Geschäftsbeziehung zum Verlag besteht, davon gehe ich aber nicht aus.)
    Ein bisschen mehr Aufrichtigkeit und Informationen eurerseits wären insgesamt wünschenswert – oder wird das der nächste Promoversuch via Shitstorm?

    Klingt nun alles recht negativ, so ist es aber nicht gemeint, ich find es aktuell nur etwas “dünn”.

    Beste Grüße,
    Lennart

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